Projekt: Notation und Aufführung


Olga Neuwirth: "Todesraten". Hörstück nach zwei Monologen von Elfriede Jelinek. (c) 1999 col legno. Produktion: 1997 Bayerischer Rundfunk.

„Das, was ich vage gemeint habe (und meist nicht einmal sprechenden Personen zugeordnet habe!), fließt quellenhaft in die Realität, die der Regisseur auf der Bühne schafft, ein, nicht als eine Ergänzung eines Textes, sondern als dessen Wirklichkeit.“

Elfriede Jelinek: Die Leere öffnen (für, über Jossi Wieler)


Der Schwerpunkt „Notation und Aufführung“ widmet sich, ausgehend vom Inszenierungscharakter und der jeweils spezifischen Materialiät von Elfriede Jelineks Texten sowie von ihren Techniken der Über- und Fortschreibung, den unterschiedlichen Notationsformen in den verschiedenen Künsten.

Das Spannungsfeld zwischen Notation und Improvisation, zwischen dem Text und seiner Aufführung bzw. dem Werk und seiner Inszenierung wird dabei sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch bzw. wissenschaftlich-künstlerisch erforscht.
Gefragt wird u.a. nach Unterschieden in der Materialität von textuellen, audio-visuellen und musikalischen, aber auch von nicht-abstrakten, körperlichen „Notationen“: Wie lässt sich die schöpferische bzw. archivierende Funktion von Aufzeichnungspraktiken in den unterschiedlichen Künsten beschreiben? Ist ein Werk erst im Moment der Aufführung „vollständig“? Welche Transformationen erfahren Notationssysteme im medialen Wandel?

Ein besonderer Fokus wird dabei auf Jelineks Arbeiten für das Theater, ihre Libretti für Musiktheater und Tanz, ihre eigenen Kompositionen und ihre Texte für die Kompositionen anderer Künstler*innen gelegt: Jelineks Bezüge zur Musik manifestieren sich nicht nur in ihren literarischen „Sprachpartituren“, sie komponierte auch selbst und verfasste Texte für Opern, Musik-und Theaterprojekte und beschäftige sich essayistisch mit dem Werk Franz Schuberts, den sie als ihren Lieblingskomponisten bezeichnete. Darüber hinaus nahmen zahlreiche Komponist*innen wie Patricia Jünger, Olga Neuwirth und andere Jelineks Werk zum Ausgangspunkt für ihre musikalische Arbeiten.

Der Forschungsschwerpunkt macht die bei Jelinek angelegte Verbindung zwischen Text und Musik und ihre intermediale und kunstübergreifende Vernetzung zum Programm und initiiert wissenschaftlich-künstlerische Arbeitsgruppen und interdisziplinäre und internationale Symposien und Workshops in Wien und New York sowie eine Ring-Vorlesung an der Universität Wien und der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien.

Ziel ist es, neue Forschungspositionen und Ansätze an den Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst zu entwickeln, die sich mit in experimentellen Forschungsformaten mit Manifestationsformen von „Notationen“ und dem Prozesscharakter von Aufführungen im Spannungsfeld zwischen Partitur und Körper, Schriftlichkeit und Mündlichkeit sowie Text und Ereignis befassen.

Das Projekt „Notation und Aufführung“ startet mit vier Arbeitsgruppen, die zu spezifischen Fragestellungen arbeiten und dabei wechselseitig die jeweiligen Teilergebnisse reflektierend miteinbeziehen. Die Arbeitsgruppen setzen sich aus Mitgliedern der Universität Wien, der Musik und Kunst Privatuniversität, International Scientific Partners des Interuniversitären Forschungsverbunds sowie externen Kooperationspartner*innen zusammen.
Die Ergebnisse der Projektarbeiten werden der Öffentlichkeit laufend im Open Access auf der Homepage des Interuniversitären Forschungsverbunds Elfriede Jelinek sowie auf einem neu angelegten Portal zu Wissenschaft und Kunst öffentlich gemacht. Am 18.6.2020 folgt eine multimediale Best-Of-Präsentation der bisherigen Arbeitsergebnisse des Schwerpunkts, mit Kommentaren von Peter Weibel und Sybille Krämer.


DIE VIER ARBEITSGRUPPEN


1. MATERIALITÄT UND MEDIALITÄT: TEXT – WERK –AUFFÜHRUNG


DIE MITGLIEDER DER ARBEITSGRUPPE

  • Prof. Dr. Barbara Beyer (Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, Deutschland)
  • Univ.-Prof. Dr. Christa Brüstle (Institut für Musikästhetik, Kunstuniversität Graz, Österreich)
  • Dra. Brigitte Jirku (Dpt. Filologia Anglesa i Alemanya, Facultat de Filologia, Traducció i Comunicació
    Universitat de València, Spanien)
  • Prof. Dr. Sybille Krämer (Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien, Leuphana Universität Lüneburg, Deutschland)
  • Univ.-Prof. Dr. Stefan Krammer (Institut für Germanistik, Universität Wien, Österreich)
  • Univ.-Prof. Bernhard Lang (Institut für Elektronische Musik und Akustik, Kunstuniversität Graz, Österreich)
  • Ao. Univ.-Prof. i.R. Dr. Monika Meister (Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft, Universität Wien, Österreich)
  • Dr. Karen Jürs-Munby (Lancaster Institute for the Contemporary Arts, Lancaster University, Großbritannien)
  • Univ.-Prof. Dr. Clemens Risi (Institut für Theater- und Medienwissenschaften, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg)


DIE BEITRÄGE DER ARBEITSGRUPPE

24.4.2020
Video-Gespräch

Zur Notation der Zukunft
Mit Bernhard Lang

30.4.2020
Podcast

Kritik des musikalischen Werkbegriffs
Mit Christa Brüstle

5.6.2020
Video-Gespräch
Das Repertoire und seine Aneignung
Mit Barbara Beyer und Monika Meister

10.6.2020
Audio-Kommentar
(De)Konstruktion des literarischen Textes
Debatten zu Performativität und Werkbegriff. Kommentar zu Christa Brüstle

Von Stefan Krammer

12.6.2020
Online-Diskussion
Die Kunst der Notation
Notationssysteme in Theater, Musik und Literatur

Mit Stefan Drees, Brigitte Jirku und Karen Juers-Munby

18.6.2020
Streaming Event

Eine Zwischenbilanz
Mit Kommentaren von Sybille Krämer und Clemens Risi


2. NOTATIONSFORMEN IN DEN KÜNSTEN DER GEGENWART


DIE MITGLIEDER DER ARBEITSGRUPPE

  • Dr. Anke Charton, MA (Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft, Universität Wien, Österreich)
  • Univ.-Prof. Mag. Dirk D'Ase (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien)
  • Univ.-Prof. Dr. Karoline Exner (Studiengang Schauspiel, Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, Österreich)
  • Sergio Morabito (Wiener Staatsoper, Österreich)
  • Univ.-Prof. MMag. Julia Purgina (Studiengang Saiteninstrumente, Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, Österreich)
  • Dr. Phil. Sophie Reyer (Wien)
  • Stefan Schweigert (Wien)
  • Univ.-Prof. Jolantha Seyfried (Studiengang Tanz, Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, Österreich)
  • Rita Thiele (Schauspielhaus Hamburg, Deutschland)
  • Univ.Prof. Dr. Melanie Unseld (Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Österreich)


DIE BEITRÄGE DER ARBEITSGRUPPE

05.5.2020
E-Mail-Korrespondenz

Das Spannungsfeld von Werk und Aufführung
Mit Rita Thiele
In Kooperation mit dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg

20.5.2020
Video-Gespräch

Das Repertoire und seine Aneignung
Mit Barbara Beyer und Monika Meister

30.5.2020
Beitrag

Ein Schriftwechsel über das Musiktheater
Mit Anke Charton und Sergio Morabito

10.6.2020
Digitale Bühne

Notation und Interpretation von grafischen Symbolen
Mit Julia Purgina und Studierenden der MUK

15.6.2020
Audiovisuelle Komposition

Dialog mit Corona
Von Dirk D'Ase, Sophie Reyer, Stefan Schweigert und Melanie Unseld

18.6.2020
Video-Performance
Verkörperungen: Zur Performativität von Notation in Theater und Tanz
Mit Karoline Exner und Jolantha Seyfried

18.6.2020
Streaming Event

Eine Zwischenbilanz
Mit Kommentaren von Sybille Krämer und Clemens Risi


3. WEiTER-, FORT- UND ÜBERSCHREIBUNGEN


4. SPANNUNGSFELD TEXT/PARTITUR UND KÖRPER


KOOPERATIONSPARTNER DES PROJEKTS

Neben seinem zentralen Kooperationspartner, dem Elfriede Jelinek-Forschungszentrum wird das Projekt in Kooperation mit folgenden Institutionen durchgeführt:

  • Facultat de Filologia, Traducció i Comunicació, Universitat de València, València, Spanien
  • Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, Deutschland
  • Institut für Elektronische Musik und Akustik, Kunstuniversität Graz, Österreich
  • Institut für Musikästhetik, Kunstuniversität Graz, Österreich
  • Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Österreich
  • Institut für Theater- und Medienwissenschaft, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland
  • Lancaster Institute for the Contemporary Arts (LICA), Lancaster University, Großbritannien
  • Leuphana Universität Lüneburg, Deutschland
  • Schauspielhaus Hamburg, Deutschland
  • Wiener Staatsoper, Österreich