Projekt: Sprache und Gewalt


Elfriede Jelinek / Johann Wolfgang Goethe: "Urfaust/FaustIn and out". Volkstheater Wien, Inszenierung: Bérénice Hebenstreit, 2020. v.l.n.r.: Steffi Krautz, Sebastian Pass, Nadine Quittner. Foto: Volkstheater Wien / Christine Miess

„[J]eder falsche Ton zerschneidet sie, jedes schiefe Wort geht durch sie hindurch, jede verachtungsvolle Bemerkung [...] trifft sie ins Mark, und sie kann das nicht mehr vergessen.“

Elfriede Jelinek in: FaustIn and out

Aufbauend auf den Forschungsschwerpunkt „Geschlecht und Gewalt“ widmet sich der Forschungsschwerpunkt „Sprache und Gewalt“ einem zentralen Aspekt im Werk Elfriede Jelineks: der sprachlichen Unterdrückung, Marginalisierung und Ausgrenzung von Frauen und anderen Personengruppen in zunehmend antidemokratischen, autokratischen und totalitären Systemen. 

Das Projekt „Sprache und Gewalt“ startet mit einer prozesshaft strukturierten Arbeitsgruppenphase, in der die grundlegenden Positionen Elfriede Jelineks zu Gewalt in / mit / durch Sprache herausgearbeitet und an gesellschaftspolitisch aktuellen Themen und Fragestellungen angebunden werden. Die Arbeitsgruppe setzt sich dabei aus Mitgliedern der Universität Wien, der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, International Scientific Partners des interuniversitären Forschungsnetzwerks wie auch aus weiteren interdisziplinären Expert*innen und Kooperationspartner*innen zusammen. 

Nach der Analyse und Diskussion der zentralen Positionen Elfriede Jelineks präsentiert der erste Arbeitsschwerpunkt künstlerisch-wissenschaftliche Manifeste aus den Bereichen der Literatur, des Musiktheaters, der Performance/des Tanzes und der bildenden Kunst. Hierbei soll der Ist-Stand hinsichtlich der Interdependenz von Sprache und Gewalt befragt und zugleich ein Ausblick auf ein wünschenswertes Soll oder Muss gegeben werden. Die künstlerisch-wissenschaftlichen Manifeste befassen sich mit sprachlichen Mechanismen der Unterdrückung, Marginalisierung und Ausgrenzung, dem Zusammenhang zwischen Sprache und Demokratie, Dynamiken des (Ver-)Schweigens und der Sprachlosigkeit sowie den subversiven Möglichkeiten der Künste.

Im zweiten Arbeitsschwerpunkt folgt die Weitung auf eine internationale Perspektive, bei der herausgestellt werden soll, inwiefern die Mechanismen der sprachlichen Gewalt auch auf globaler Ebene vergleichbare Ausprägungen finden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den USA, Japan, Brasilien und Indien wie auch auf der Frage, welche Sichtweise Jelinek in ihrem Werk auf diese Länder entwickelt und wie diese mit den lokalen Realitäten und Diskursen in Verbindung gebracht werden können. In diesem Zusammenhang untersucht der Schwerpunkt die Schnittstelle zwischen Sprache und Gewalt, die mit Prozessen der Antidemokratisierung, der Autokratisierung, mit dem Totalitären und den unterschiedlichen Ausprägungen des Rechtspopulismus einhergehen. 

Der dritte Arbeitsschwerpunkt fragt nach Formen der sprachlichen Gewalt im Kontext des Digitalen und der sozialen Medien. Hier steht einerseits die Frage im Mittelpunkt, inwiefern es sich bei diesen Phänomenen der sprachlichen Gewalt um eine Fort- bzw. Weiterführung von gesellschaftlichen Gewaltstrukturen handelt, ob damit eine gemeinsame Genese / Ursachen / Wirkungen festgestellt werden kann. Andererseits beschäftigt sich der Schwerpunkt mit der Rolle der sozialen Medien, die als Katalysatoren für sprachliche Gewalt in Erscheinung treten. 

Methodisch setzt der Forschungsschwerpunkt auf prozesshafte Abläufe und wissenschaftlich-künstlerische Arbeitsgruppen sowie interdisziplinäre und internationale Symposien und Workshops mit dem Ziel, innovative Forschungspositionen und experimentelle Forschungsformate und -ansätze an den Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst voranzutreiben. 

Die Ergebnisse der Projektarbeiten werden laufend im Open Access auf der Homepage des Interuniversitären Forschungsnetzwerks Elfriede Jelinek sowie auf dessen Portal zu Wissenschaft und Kunst öffentlich gemacht.